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Vitamin B12 - Hat Gott einen Fehler gemacht?

Da Vitamin B12 von Pflanzen nicht gebildet werden kann, wird bei kaum einem
anderen Nährstoff die Frage so kontrovers diskutiert, inwieweit es möglich
ist, sich mit ausschließlich pflanzlicher Ernährung ausreichend zu versorgen.
Zusätzlich wird oft Vitamin B12 als Argument gebraucht, um zu beweisen,
dass vegetarische und rein pflanzliche Ernährung unnatürlich ist. Die Debatte
wird oft mehr emotional als sachlich geführt.
Geschichtlicher Rückblick
Bereits 1920 wurde die Theorie über einen bestimmten unbekannten Faktor
im Magensaft entwickelt. Dieser Faktor wurde der Innere Faktor (Intrinsic
Factor) genannt. Man glaubte, dass sich der Intrinsic Factor mit einem äußeren
Faktor (Extrinsic Factor), der sich besonders in tierischem Protein befindet,
zusammen binden müsse, um eine Heilung sogenannter Megaloblastenanämie (Blutarmut)
zu erzielen. Im Jahre 1940 wurde dieser Externe Faktor identifiziert und
als Vitamin B12 beschrieben. Zwanzig Jahre später wurde dann auch der Intrinsic
Factor im Magensaft isoliert.
Verdauung und Absorption
Die Grundstruktur der Vitamin B12-Moleküle sieht ähnlich aus wie ein Molekül
des Hämoglobins (Blutfarbstoffes). Allerdings liegt bei Hämoglobin in der
Mitte des Moleküls das Eisen, bei Vitamin B12 ist es Kobalt. Davon kommt
auch der chemische Name des Vitamin B12: Cobalamin. Dieses bildet rötliche
bis gelbe Kristalle, ist wasserlöslich und licht- und sauerstoffempfindlich.
Das Molekül ist im Vergleich zu anderen wasserlöslichen Vitaminen viel größer.
Dadurch verläuft die Resorption durch einen besonderen Mechanismus. Zunächst
wird das in der Nahrung vorliegende Vitamin B12 unter der Wirkung von Salzsäure
und Proteasan (Enzyme, die Eiweiß spalten können) frei gesetzt. Das Vitamin
B12 heftet sich allerdings nicht direkt an den Intrisic Factor an, sondern
zunächst an ein sogenanntes R-Protein. Im oberen Dünndarm werden dann die
R-Proteine durch die Verdauungsenzyme des Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
angegriffen, und das Vitamin wird dadurch frei gesetzt. Erst jetzt kann
es sich an den Intrinsic Factor anlagern und eine stabile Bindung bilden.
Der Vitamin B12-Intrinsic-Factor-Komplex wird dann in den unteren Dünndarm
(Ileum) abtransportiert und dort absorbiert.
Die durchschnittliche Absorption von Vitamin B12 liegt bei ungefähr 70 Prozent.
Sie kann allerdings bis auf 20 Prozent sinken, wenn große Mengen von Vitamin
B12 aufgenommen werden oder weil sich im Alter die Resorption des Vitamins
durch Veränderung des Magenschleimhaut verschlechtert. Man hat beobachtet,
dass ungefähr ein Prozent aller 60-Jährigen dadurch unter Umständen Mangelerscheinungen
haben. Dies wird verursacht durch die mangelnde Präsens oder gar das völlige
Fehlen des Intrinsic Factor im Magensaft. Der Organismus geht mit dem Vitamin
sehr sparsam um und versucht jedes vorhandene Vitamin im Dünndarm zu resorbieren.
Pro Tag werden ca. 1-10 mg Vitamin B12 mit der Galle ausgeschieden. Diese
Menge wird fast ausschließlich reabsorbiert, so dann nur ganz kleine Mengen
des Vitamins verloren gehen. Vitamin B12 wird vor allem in der Leber gespeichert.
Da der tatsächliche Vitamin B12-Bedarf des Menschen bei weniger als 1mg
pro Tag liegt, kann es bei normalen Speichermengen bis zu 20 Jahren dauern,
bis bei einer Vitamin B12-freien Ernährung Mangelerscheinungen auftreten.
Fällt dagegen die Absorption des Vitamins aus, kann es bereits nach drei
Jahren zu Mangelerscheinungen kommen.
Produktion
Vitamin B12 wird von Bakterien (z.B. Lactobacilli, Streptococci und anderen),
Pilzen und einigen Algen, nicht aber Hefe, höheren Pflanzen, Menschen und
Tieren gebildet. Die Bakterien in unserem eigenen Dickdarm produzieren Vitamin
B12. Das Problem liegt allerdings darin, dass diese Bakterien so weit drinnen
im Dickdarm leben, dass das Vitamin B12, das sie produzieren, nicht mehr
resorbiert werden kann. In einer Freiwilligen-Studie mit Veganern in Großbritanien,
die an einem Vitamin B12-Defizit litten (Megaloblastenanämie), wurden die
Probanden wässrige Extrakte ihres eigenen Stuhls verabreicht. Dies führte
zur Heilung der Blutarmut. So wurde klar demonstriert, dass die Patienten
Vitamin B12 in ihrem Dickdarm produzierten, es allerdings nicht resorbieren
konnten.
Funktion im Körper und Mangelerscheinungen
Vitamin B12 ist wichtig für die normale Reifung von roten Blutkörperchen
und für die Synthese von Myelin, das sich in großen Mengen als Isolierungsmaterial
im Nervengewebe befindet. Ohne genügend Vitamin B12 kommt es zu Störungen.
Persönliche Verantwortung
Es wird leider immer wieder berichtet, wie Menschen, die sich rein pflanzlich
ernähren und auch keine Nahrungsergänzungen zu sich nehmen, mit schweren
Vitamin B12-Mangelerscheinungen in Krankenhäuser und Kliniken aufgenommen
werden müssen. Ganz gewiss hat rein pflanzliche Ernährung sehr viele gesundheitliche
Vorteile. Allerdings gehört dazu auch eine Verantwortung für eine angemessene
Vitamin B12-Versorgung. Eine Einstellung in dem Sinne: "Meine Vitamin B12-Speicher
sind groß genug, mir wird Nichts passieren", kann zu tragischen Folgen führen,
denn die Nervenschädigungen durch Vitamin B12-Mangel können irreversibel
sein. Dies legt eine besonders große Verantwortung auf Eltern mit kleinen
Kindern, Schwangere und Stillende; denn in diesen Lebensabschnitten ist
eine reichliche Vitamin B12-Versorgung lebensnotwendig.
| Lebensmittel |
Vitamin B12
(µg/100g oder 100ml) |
| Gauda-Käse |
1,9 |
| Hühnerei |
1,8 |
| Quark |
0,9 |
| Jogurt |
0,5 |
| Kuhmilch (3,5 % Fett) |
0,4 |
| Ensinger Active Isontiv Water
(Mineralwasser) |
0,15 |
| Hohes C Multivitamin Fruchtsaft |
0,5 |
| Hohes C Mineral Aktiv Fruchtsaft |
0,5 |
| Kellog_s Corn Flakes Vollkorn |
0,8 |
| Nimm2 Fruchtbonbons |
4,5 |
Tabelle Vitamin B12-Gehalt in ausgewählten Lebensmitteln
Dr. med. Peter Pribis, Dr.P.H.
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